Aktuelles von der Burg
Wenn ein Wahrzeichen leidet – Vandalismus erschwert den Erhalt der Burg Liebenzell
geschrieben am: 19. August 2026
Wer in den vergangenen Wochen die Burg Liebenzell besucht hat, dem ist vielleicht eines aufgefallen: Die Fahnen auf den Masten fehlen. Was auf den ersten Blick wie eine Kleinigkeit erscheint, steht beispielhaft für ein größeres Problem, mit dem der Träger der Burg, das Internationale Forum Burg Liebenzell e.V., zunehmend zu kämpfen hat.
Immer häufiger kommt es auf der Burganlage zu mutwilligen Beschädigungen, Manipulationen und sogar Einbruchsversuchen. So wurden in der Vergangenheit Fahnen entwendet und die Seilzüge der Fahnenmasten mutwillig gelöst oder unbrauchbar gemacht. Die Folge: Eine dauerhafte Beflaggung ist derzeit nicht möglich.
Doch die fehlenden Fahnen sind nur die sichtbarste Auswirkung. Hinter jeder mutwilligen Beschädigung steckt ein erheblicher Aufwand. Reparaturen müssen organisiert, Materialien ersetzt und Arbeitszeit investiert werden – Zeit und Geld, die an anderer Stelle dringend benötigt würden.
Dabei steht das Internationale Forum ohnehin vor großen finanziellen Herausforderungen. Der Erhalt einer historischen Burganlage ist aufwendig und kostspielig. Mauern, Wege, Geländer, Grünanlagen und technische Einrichtungen müssen regelmäßig gepflegt und instandgehalten werden. Die hierfür zur Verfügung stehenden Mittel sind jedoch stark begrenzt und reichen oft nur aus, um das Notwendigste zu finanzieren. Das Internationale Forum als Trägerverein ist eine gemeinnützige Einrichtung und die meisten Mittel, die dem Haus zur Verfügung stehen sind projektbezogen, daher müssen Reparaturen und Instandhaltungen mühsam erwirtschaftet werden. Der Zutritt zum Turm wird gegen eine geringe freiwillige Spende (derzeit 1,5 €) gewährt, allerdings ist, trotz guter Besucherlage, die Bereitschaft für den Erhalt der Anlage zu spenden, im Vergleich zu den Vorjahren spürbar zurück gegangen.
Jeder Fall von Vandalismus verschärft diese Situation. Gelder, die eigentlich in die Pflege der Anlage, den Erhalt der historischen Bausubstanz oder in die Bildungs- und Begegnungsarbeit investiert werden könnten, müssen stattdessen für die Beseitigung mutwilliger Schäden eingesetzt werden. Das bedeutet: Weniger finanzielle Spielräume für den Erhalt eines Kulturdenkmals, das weit über die Stadtgrenzen hinaus Bedeutung besitzt.
Das Internationale Forum hat die Burg vor über 70 Jahren unter Beteiligung der lokalen Bevölkerung wieder aufgebaut und renoviert. Die Burg Liebenzell ist jedoch nicht nur ein touristisches Ziel. Sie ist ein Ort der Begegnung, an dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen zusammenkommen. Sie bietet Raum für Bildungsarbeit, internationale Begegnungen und Veranstaltungen und prägt das Stadtbild seit Jahrhunderten. Gerade deshalb schmerzt jede Beschädigung doppelt – sie trifft nicht nur Steine oder Gegenstände, sondern einen Ort, der vielen Menschen am Herzen liegt.
Vielleicht erscheinen gestohlene Fahnen oder beschädigte Seilzüge als Bagatellen. Tatsächlich sind sie Ausdruck einer Entwicklung, die den Erhalt der Burg zunehmend erschwert. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Mittel ist jeder Euro, der in die Beseitigung von Vandalismus fließt, ein Euro, der für notwendige Sanierungen, Bildungsangebote oder den Erhalt dieses einzigartigen Wahrzeichens fehlt.
Die Burg Liebenzell gehört zu unserer Region und ist Teil ihrer Geschichte. Damit sie auch in Zukunft ein Ort der Begegnung und ein Aushängeschild für Bad Liebenzell bleibt, braucht sie nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch den respektvollen Umgang aller, die sie besuchen.
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